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1 Gehirn.
2 Systeme.
Eine perfekte Kombination.
Meistens.

Abbildung des Gehirns für schnelles Denken

Schnelles Denken

Die meiste Zeit denken wir schnell, effizient und intuitiv. Wir sammeln dauernd Informationen und analysieren sie. Das kostet sehr viel Energie, darum versucht unser Gehirn, es sich einfach zu machen und greift auf Gewohntes zurück:

Wir glauben, einen Ort, eine Situationen zu kennen, unser Gehirn nimmt aber lediglich eine Abkürzung. Die kann fehlerhaft sein und ein Zerrbild, das uns das Gehirn serviert. Ein Grund, warum wir einen neuen Job, neue Umgebung und neue Menschen oft als anstrengend empfinden – und manchmal auch unangemessen reagieren, weil wir in gewohnten Bahnen agieren. Darum reagieren wir in ungewohnten Situationen oft routiniert oder überfordert.

Schnelles Denken ist perfekt, wenn es um einfache Fragen und alltägliche Entscheidungen geht. Alltags- und Routineaufgaben erledigt es intuitiv. Blitzschnell sortiert es Sinneseindrücke und Informationen in bekannte Kategorien. Mit geringem Aufwand werden schnelle Entscheidungen getroffen. Eingeübte, meist unbewusste Gedankengänge laufen vollständig automatisch ab. Schnelle Entscheidungen, praktikable Lösungen.

Das funktioniert hervorragend, so lange alles bekannt und gewohnt ist. Auf Änderungen reagiert das Gehirn in altbewährter Manier, es bleibt im ökonomischen Modus und scheitert in komplexen Situationen, z. B. in gesellschaftlichen Interaktionen. Diese unbewusste Voreingenommenheit und nicht zu merken, dass man eigentlich keine Ahnung hat, kann aber gefährlich sein, besonders wenn Informationen unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt eingestuft werden.

Das schnelle Denken ist im Alltag oft effektiv, arbeitet ununterbrochen, ist aber nicht das intelligenteste: Es ist unser Autopilot – und unser Vermächtnis der evolutionären Vergangenheit. Es verschafft Überlebensvorteile, befähigt zu raschen Urteilen und schnellem Handeln: Wenn der Säbelzahntiger hinter uns her ist, sollten wir ganz schnell die Beine in die Hand nehmen. Aber mal ehrlich: Wie oft sind Sie in letzter Zeit einem Säbelzahntiger begegnet? Existiert er überhaupt? Ist er gefährlich? Genau das fragt Ihr langsames Denken – und stellt Fragen, die nicht ohne Weiteres und nicht ohne zusätzliche Informationen zu beantworten sind.

Vorteil: schnell, intuitiv, automatisch, immer aktiv, emotional, stereotypisierend, wertend, unbewusst

Nachteil: voreilig, übersieht Fehler und Probleme, selbstüberschätzend, unlogisch, nutzt verfügbares Wissen

Abbildung des Gehirns für langsames Denken

Langsames Denken

Nehmen wir uns Zeit, um Informationen bewusst zu analysieren und nicht nach Schema F zu handeln, ist das effizient. Rational und vernünftig denken können wir nämlich auch. Das ist nur so anstrengend, dass wir es gerne vermeiden. Das langsame, reflektierte Denken weiß genau, dass es nicht alles weiß und generiert bewusste Handlungen, überlegt gut, fokussiert gezielt unsere Aufmerksamkeit – und stellt Überzeugungen infrage. Es ist allerdings träge, verbraucht viel Energie und macht alles komplizierter, weshalb es nicht ohne einen handfesten Grund aktiv wird. Der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier.

Das langsame Denken ist vielleicht anstrengender, aber die Mühe lohnt sich – Sie können Probleme, sogar reichlich komplexe lösen! Das Sozialorgan Gehirn kann nämlich auch komplexe, gesellschaftliche Beziehungsgefüge reflektieren und kreativ neue Wege gehen. Das liegt an der erhöhten Konzentration und der Fokussierung des schnellen Denkens, was zum Erfolg führt! Das langsame Denken nutzt dazu alle Schubladen, erwägt alle Informationen, blendet sogar störende Faktoren aus – und kombiniert alles innerhalb weniger Minuten zu objektiven Entscheidungen, die Hand und Fuß haben. Kurz: Weniger Aufmerksamkeit, weniger Erfolg. Oder: Mehr Zeit und Geduld, mehr und entscheidend bessere Ergebnisse.

Warum denken wir dann nicht immer langsam?

Weil wir in vielen, meist eher banalen Situationen zwar nicht optimal, aber einfach ausreichend reagieren und handeln. Unser Alltag besteht oft aus einer Aneinanderreihung von vorhersehbaren Ereignissen, denen wir routiniert begegnen können. Und aus Anlässen, die wir lieber dem langsamen Denken überlassen, indem wir eine Nacht darüber schlafen.

Vorteil: kreativ, analytisch, unvoreingenommen, vernünftig, logisch, berechnend, bewusst, genau, denkt, lernt, strategisch

Nachteil: langsam, ressourcenreich, anstrengend, selten aktiv, braucht Anstoß

Sich der eigenen Schubladen bewusst werden!

Unser Gehirn ist mit der komplexen Welt überfordert – und macht es sich daher lieber einfach: Um alles besser zu verstehen, sortieren wir Informationen in Kategorien, also in Schubladen. Das machen wir vielleicht nicht immer bewusst, dennoch entstehen so Wertungen und Vorurteile. Wir machen das, um uns besser zu fühlen, uns selbst aufzuwerten und um uns abzugrenzen. Darum stecken wir Menschen in Schubladen. Erst wenn wir uns dessen bewusst werden, können wir unseren Fehlleistungen entgegenwirken.

Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen – da hilft nur Logik. Und der richtige Kontext. Am besten wäre es, sich zu fragen: Habe ich das Problem überhaupt verstanden? Habe ich für dieses Problem eigentlich eine Schublade mit der richtigen Antwort? Warum verdammt nochmal renne ich blindlings los und suche eine Kategorie! Das ist der Unterschied zwischen schnellem und langsamen Denken.

Was es bedeutet:

Schnelles Denken ist perfekt, wenn es um einfache Fragen und alltägliche Entscheidungen geht.

Langsames Denken ist wichtig in komplexen Situationen, zum Beispiel in sozialen Interaktionen.

Und: Das langsame und schnelle Denken gehören zusammen, ergänzen sich und arbeiten parallel!

›Die Intuition steht dem klaren Denken im Weg.‹ Daniel Kahnemann

Auch Sie denken in Schubladen.

Nur: Wer will das schon?
Und was hat das Denken in Kategorien mit dem
Zusammenleben von Menschen zu tun?
Eine Menge!

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